Multiplex (Remix 3). Die handliche Arbeit fordert den Bildbegriff. Einen Bildbegriff, der durchaus noch um die Nähe zum Haptischen weiß, um die Herkunft aus dem Gegriffenem, dem Greifen selbst, dem konkret Greifbaren. Hier, in der Sicht- wie der Anfühlbarkeit eines Stückchens Welt, ist ein Ausgangspunkt zu suchen für das, was diese Arbeit umtreibt. Ausgangspunkt heißt nicht Zentrum und Ziel. Weniger in die weiße Rahmung hinein, als vielmehr aus ihr heraus treten die Teile, die einstmals einer flachen, weiß getünchten Mehrschicht-Holzplatte (Multiplex) angehörten. Mit Flachheit ist diesem Bildbegriff nicht mehr beizukommen. Es passiert etwas in den Raum hinein, wie aus dem Raum heraus. Zumal die Topographie der ziselierten Elemente eine, nein, mehrere Zeichnungen trägt. „Aufgeschnitzt, durchfurcht, geborsten“ gegen und mit „gehalten, getragen, aufgefangen“ – zeichnet sich der Lauf der Linien, Spuren, Ein- und Herausgriffe. Denn mittendrin, mitten hindurch legt sich das feine Netz aus den geraden Kanten der aneinander gefügten Stücke – klar, kein Raster, aber in diesem Umfeld ein gewisser, ein ruhiger Halt. Hier noch sprechen die Gravuren im Holz von Gestik, vielleicht kleingestaltig, aber nicht leise. Dort schon der geradlinige und fein gefügte Duktus der Versatzteilchen. Und zuletzt das gemeinsame Heraus und Hinein aus der einstmaligen Fläche. Doch diese räumlich werdende Matrix aus so unterschiedlichen Höhen- und Tiefenlinien geht nicht auf in irgendeiner Vermittlung, in irgendeinem Ausgleich. Ihre Zuströme verflachen nicht. Innerhalb des beschaulichen Schauplatzes gehen sie unstet gegen und wieder mit einander. Verdichtung und Dezentrierung halten gemeinsam Platz auf diesem Hybrid in Gefasstheit. Author: Thomas Schlereth
Publicated by galerie gerken on occasion of the former exhibition at galerie gerken.
Herausgeber, Kopierrecht; Publisher, Copyright: galerie gerken, Tanja Gerken, Auguststraße 49, 10119 Berlin
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