Die Polarität zwischen Offenheit und Geschlossenheit wird in den Arbeiten Armin Göhringers nie im Sinne eines Entweder- Oder verhandelt, sondern als Markierung für das, was sich dazwischen abspielt: Das Leben in seiner Pluralität und die Erfahrung eines geistigen Prinzips dahinter, das sich Transzendenz nennen läßt. Indem sie in Ihren Unterbrechungen und Durchblicken das Abwesende als Anwesendes thematisieren, lenken sie unsere Blicke von dem, was wir sehen, hin auf das, was wir nicht sehen können. So zeigt sich das Unsichtbare, ein Angebot zur Stille. Der puren, ungehemmten Emotionalität der Arbeitsweise und der zur Schau gestellten Vitalität seines künstlerischen Handelns setzt Göhringer ein durchdachtes Konstruktionsgefüge entgegen. Die gegenstandslosen Formen zielen auf die psychologische Wirkung des Kunstwerks. Dieses steht nicht für sich selbst, sondern versteht sich als ein Zusammenspiel verschiedener Sinnebenen. Göhringers bildnerische Autonomnie erlaubt Bezüge zur Architektur ebenso wie anthropomorphe Verknüpfungen. Natur, Mensch und vom Menschen Geschaffenes bilden eine in logischer Verbindung stehende Kette von Beziehungen. Armin Göhringer eröffnet dem Betrachter diese Bedeutungssymbolik über die Emotionalität seiner Werkstoffe und durch die Ausdruckskraft seiner eigenen bildnerischen Aktivität. Neue Formen entstehen, Töne, die dazwischen liegen, losgelöst vom Material, freie Räume, getragen von den Kraftlinien, die sie umschließen. Ist dies nicht ein gemaltes Bild unseres Lebens, unserer Ambivalenz, ja unserer Zerbrechlichkeit. Ein Symbol für das Spiel der Kräfte. Die senkrechte Linie, Symbol für das Aufrechte, Verbindungslinie zwischen Himmel und Erde, Metapher für Entwicklung und Fortschritt, für positives Streben und Kraft, bewusst gesägt, gefurcht, wie mit dem Lineal gesetzt, aufgereiht, wie ein mechanischer Fächer, exakt, durchdacht, notwendig um zu überleben. Dagegen die waagerechte Linie, Schnittstelle zwischen Himmel und Erde, Horizont fürs Auge, Symbol für Stille und Ruhe, die Horizontale als Endpunkt, spielerisch, fast lustvoll geprägt, ohne tiefes Nachdenken, aus dem Bauch heraus entstanden. Die Auseinandersetzung mit der senkrechten und waagerechten Linie führte zu einer Reduktion zu einer Vereinfachung der Werke, zu schlichten, einfachen Lösungen. Kein Verschönern, keine Zierde, keine spektakulären Bewegungen und Formen, nichts unnötig Buntes mehr. Dafür aber Konzentration, Wesentliches, Zielgerichtetes, Kraft und Ruhe. Das Schwarz nämlich in Göhringers Skulpturen repräsentiert das All- Eine, den Urgrund allen Seins und zugleich sein Ende. Diese Farbgebung fordert vom Betrachter eine intensive, meditative Sicht. „Schwarz zwingt das Licht richtig durch", so unterstreicht der Bildhauer die Ambivalenz zwischen der Materialoberfläche und den transzendenten, hellen Lichträumen. Der Leerraum, die Hohlform ist wichtiger Träger des formalen Werkes, das somit über seinen substanziellen Bestand hinauswächst. Eine Spielart dieser Skulpturen, die die gewohnte Lesart hinterfragen und eine Sensibilisierung der Wahrnehmung fordern, sind die mit Holz kombinierten Papierarbeiten. Bereits früher waren Objekte entstanden, die das leichte, zerbrechlich wirkende Büttenpapier mit dem schwereren Holz verbanden. Seit 2005 entstanden Skulpturen aus schwarz gestrichenem Holz, die in eine neue Richtung weisen. Der Sockel ist ein Teil der Skulptur, integriert und platziert zwischen schmalen, oft ihn umschließenden Holzstegen. Die Stege lassen sich als Linien sehen und erinnern an Zeichnungen. Sie umschreiben Rechtecke, Quader oder auch andere geometrische Formen oder Formen überhaupt. Stabilität gewähren dann die Holzblöcke, die massiven, nicht ausgehöhlten Volumen, die nun nicht mehr als Sockel fungieren. Prinzipien prägen das Schaffen Göhringers, jedoch keine starre Systematik. Einige wenige Werke weisen eine Regelhaftigkeit auf, Ihnen liegen mathematische Formeln zugrunde. „Um der Beliebigkeit zu entgehen", begründet er. Das Prinzip sei, sich nicht nur durch das Material, die Stimmung, die Gefühle leiten zu lassen, sondern auch mal ein Kunstwerk zu planen. Als Beispiel dient die Skulptur, bei welcher der Anzahl der horizontalen Einkerbungen so viele vertikale Schlitze entgegengesetzt werden, wie sich die Zahl der horizontalen Öffnungen insgesamt teilen läßt. Das Gegenteil von Geregeltheit verkörpern jene zarten Skulpturen, die sich ungelenk in den Raum ranken.

Publicated by galerie gerken on occasion of the former exhibition at galerie gerken.

Herausgeber, Kopierrecht; Publisher, Copyright: galerie gerken, Tanja Gerken, Auguststraße 49, 10119 Berlin

 

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